Geisa schafft Raum für die Zukunft: Ehemaliges Industrieareal wird zum Wohnquartier

Beitrag von Martin Veltum

Wo jahrzehntelang produziert und gelagert wurde, entsteht in den kommenden Jahren ein neues Kapitel der Stadtentwicklung in Geisa. Auf dem ehemaligen Gewerbestandort „Am Steinigt“ schreiten die Abrissarbeiten sichtbar voran.

Mit dem Rückbau der leerstehenden Industriegebäude schafft die Stadt die Voraussetzungen für ein Wohnquartier, das auf die veränderten Bedürfnisse der Bevölkerung reagieren soll.

Demografischer Wandel verändert die Anforderungen

Der Wandel des Geländes steht beispielhaft für die Herausforderungen vieler ländlicher Regionen. Aufgrund des demografischen Wandels ist eine bedarfsgerechte Wohnraumversorgung gerade für ältere und alleinstehende Menschen wichtig geworden.

Insbesondere der Wunsch vieler älterer Menschen, auch im fortgeschrittenen Alter im vertrauten Umfeld wohnen zu bleiben, beeinflusst die Entwicklung neuer Wohnkonzepte.

Die Stadt Geisa hatte hierzu im Rahmen des Forschungsprojekts „Aeging smart“ gemeinsam mit der Rheinland-Pfälzischen Universität eine Umfrage unter den sogenannten Babyboomern ab 55 Jahren durchgeführt.

„Etwa 92 Prozent der Befragten haben angegeben, auch im Alter in der Region des Geisaer Landes wohnen zu wollen“, berichtet Geisas Bürgermeisterin Manuela Henkel. „Die Verbundenheit mit der Heimat ist bei uns sehr groß.“

Viele der Befragten lebten in Einfamilienhäusern oder Hofreiten auf den Dörfern und suchten nach Wohnformen, die weniger Pflege- und Unterhaltungsaufwand erfordern. Nach Angaben der Stadt wächst die Nachfrage nach barrierefreien und altersgerechten Wohnungen seit Jahren.

Standort bietet ideale Voraussetzungen

Das rund 6.400 Quadratmeter große Areal „Am Steinigt“ bietet aus Sicht der Stadt optimale Bedingungen für eine solche Entwicklung.

Anders als die historische Altstadt mit ihren Steigungen und teilweise anspruchsvollen Wegeführungen verfügt das Gebiet über ebene und gut zugängliche Flächen. Für ältere Menschen, die auf einen Rollator oder andere Mobilitätshilfen angewiesen sind, stellt dies einen wichtigen Vorteil dar.

Hinzu kommt die gute Infrastruktur im unmittelbaren Umfeld. Ärztehaus, Apotheke, Einkaufsmöglichkeiten, das Altenpflegeheim St. Elisabeth sowie der Busbahnhof sind schnell erreichbar. Auch die Freizeitanlage Ulsteraue befindet sich in fußläufiger Entfernung.

Generationenübergreifendes Wohnen geplant

Auf der Fläche soll ein modernes Wohnquartier entstehen, das verschiedene Altersgruppen anspricht. Vorgesehen sind barrierefreie Wohnungen für Senioren ebenso wie Mietwohnungen für Familien und Einzelpersonen.

Darüber hinaus sind Grün- und Aufenthaltsbereiche geplant, die Begegnungen fördern und das nachbarschaftliche Zusammenleben stärken sollen.

„Wunsch wäre es, wenn wir noch ergänzend gesundheitsnahe Dienstleistungen oder eine Gemeinschaftspraxis hier ansiedeln können“, so Henkel.

Das Ziel besteht darin, ein Wohnumfeld zu schaffen, das den Bedürfnissen einer älter werdenden Gesellschaft gerecht wird und gleichzeitig Raum für junge Familien und weitere Bevölkerungsgruppen bietet.

Wichtiger Baustein der Infrastrukturentwicklung

Das Vorhaben fügt sich in eine Reihe von Infrastruktur- und Entwicklungsmaßnahmen im Geisaer Land ein. Die Kommunen stehen vor der Aufgabe, ihre Orte an gesellschaftliche Veränderungen anzupassen und gleichzeitig ihre Attraktivität als Wohnstandorte zu sichern.

Die Nachnutzung bereits erschlossener Flächen spielt dabei eine zentrale Rolle. Statt neue Baugebiete auf bislang unbebauten Flächen auszuweisen, setzt die Stadt auf Innenentwicklung und die Revitalisierung bestehender Standorte.

Die Umwandlung der Industriebrache in dringend benötigten Wohnraum wird daher als wichtiger Beitrag zu einer nachhaltigen Ortsentwicklung angesehen. Gleichzeitig verbessert die Beseitigung der leerstehenden Gebäude das Stadtbild nachhaltig.

Fördermittel unterstützen das Projekt

Die Bedeutung des Vorhabens spiegelt sich auch in der finanziellen Unterstützung wider. Die Kosten für Abriss und Revitalisierung liegen bei etwa 780.000 Euro. Mit der EFRE-Förderung von 626.000 Euro verbleibt der Stadt noch ein Eigenanteil von 154.000 Euro.

Bereits im vergangenen Herbst begannen die Rückbauarbeiten. Seitdem werden die ehemaligen Betriebsgebäude Schritt für Schritt entfernt, um die Fläche für ihre neue Nutzung vorzubereiten.

Investor soll Quartier realisieren

Die Stadt selbst wird die geplanten Wohnungen nicht errichten. Stattdessen soll ein Investor die Entwicklung des Quartiers übernehmen.
Vorgesehen sind nach aktuellem Stand etwa 15 bis 20 altersgerechte Wohnungen sowie weitere Mietwohnungen unterschiedlicher Größe.

Nach Angaben der Stadt gibt es bereits erste Interessenten für die Umsetzung des Projekts. Mit dem einstimmigen Beschluss zur Änderung des Bebauungsplans hat der Stadtrat vor Kurzem die nächsten Schritte auf den Weg gebracht.

Damit wird aus einer lange brachliegenden Industriefläche ein Zukunftsprojekt, das die Wohnraumentwicklung in Geisa nachhaltig prägen könnte.